
Ein mir nahestehender Mensch ist ziemlich depressiv geworden. Überall Krisen und Verrückte, die Welt aus den Fugen, die Ordnung wankt, die Gewissheiten sind keine mehr. Die Eltern krank und schwierig, ein Kind noch schwieriger, das andere ausgezogen, der Partner auch nicht einfach. Der Körper verfällt, der Geist baut ab, und dann ist auch noch die Arbeit als großer (Schein-)Sinn-Geber und Ab-Lenker weg. Vorruhestand, was soll man machen. Alles scheint sinnlos, nichts macht mehr Freude, es gibt auch körperliche Beschwerden. Kenne ich alles, auch das deprimierte Sein. Ich bin es meist ein bisschen und war es schon ein paar Mal ein bisschen mehr. Auch ich bin im Vorruhestand, wenn auch nicht ganz nach Plan; Krebserkrankung, im Job ausrangiert und tief gekränkt, bin ich über ein paar Jahre etwas leidvoll dort hineingestolpert.
„Es ist doch nur noch ein Warten auf den Tod“, sagt dieser Mensch, der früher viel gelacht hat, und fängt an zu weinen. „Ja, es ist nur ein Warten auf den Tod,“, sage ich, „aber wenigstens muss ich nicht mehr arbeiten.“, und kann nicht anders, als breit zu grinsen.
Hörverstehen
Wanda - Wir sind verloren
Modest Mouse - Float On
